Ergonomie

Was ist Ergonomie?

Ergonomie ist die Wissenschaft von der menschlichen Arbeit. Der Begriff Ergonomie setzt sich aus den griechischen Wörtern „ergon“ (Arbeit) und „nomos“ (Gesetz, Regel) zusammen. Man versteht darunter die Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen und nicht umgekehrt. Ziel ist es eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen und die Bedingungen so zu gestalten, dass möglichst geringe gesundheitliche Belastung entsteht.

 

Häufig gestellte Fragen ( Auszug aus dem Fragenkatalog der SUVA zum Thema „Bildschirmarbeitsplatz“)

Wie sieht eine «ergonomische Maus» aus?

Mäuse mit speziellen Formen sollen in erster Linie eine natürliche Hand- und Handgelenkstellung ermöglichen. Oft geraten solche Spezialmäuse etwas zu gross, so dass die Hand bei der Bedienung keinen Kontakt zum Tisch mehr hat. Dadurch erfolgt die Bewegung aus der Schulter heraus, was mit der Zeit sehr mühsam und anstrengend wird. Aus ergonomischer Sicht sind Mäuse ergonomisch, wenn sie zur Handgrösse passen und sich sowohl mit rechts als auch mit links bedienen lassen.

Ebenso wichtig wie Grösse und Form ist die Zeigergeschwindigkeit der Maus und ihre Position auf dem Tisch.

Ist eine «ergonomische Tastatur» empfehlenswert?

Die sogenannten «ergonomischen Tastaturen» haben für Rechtshänder oft einen Nachteil. Man sitzt in der Regel vor der Mitte des Buchstabenblocks, wodurch sich der Zahlenblock nach rechts aussen verschiebt. Befindet sich die Maus rechts neben dem Zahlenblock, ist sie oft so weit vom Körper entfernt, dass man Schulter und Arm gestreckt halten muss. Dies kann zu Schulter- und Ellbogenbeschwerden führen. Eine mögliche Lösung ist eine «Kurztastatur», eventuell mit separatem Zahlenblock.

Hilft ein Sitz/Stehpult bei Rückenschmerzen?

Bewegung und Haltungswechsel sind vorteilhaft für den Rücken. Durch das Bewegen der Wirbelsäule werden die Bandscheiben mit Nährstoffen versorgt.

Ideal sind Pulte, an denen man sowohl sitzen als auch stehen kann. Erhält man neu ein solches Pult, besteht die Gefahr, dass man vom früheren permanenten Sitzen auf ständiges Stehen wechselt. Das kann ebenso Beschwerden auslösen, hauptsächlich in den Beinen. Eine gute Sitz-Steh-Aufteilung sieht wie folgt aus:

  • ca. 60 Prozent Arbeiten im Sitzen
  • ca. 30 Prozent Arbeiten im Stehen
  • ca. 10 Prozent gezieltes Umhergehen

Nicht nur für das Sitzen muss die Tischhöhe der Körpergrösse angepasst werden, sondern auch für das Stehen. Dabei gilt ebenfalls die «Ellbogenregel» (Tischhöhe = Ellbogenhöhe). Diese Einstellungen sollten gespeichert werden.

Achten Sie beim Kauf eines Stehpults unbedingt auf den Verstellbereich. Damit eine kleine Person korrekt sitzen und eine grosse Person in guter Haltung stehen kann, muss der Verstellbereich von 68 bis 125 cm reichen.

Was kennzeichnet einen ergonomisch guten Bildschirm aus?

Heutige Flachbildschirme bieten in der Regel gute Voraussetzungen für ein augenschonendes Arbeiten. Berücksichtigen Sie vor allem folgende Punkte:

  • Hohe Auflösung bei kleinem Bildschirm (Notebook) führt zu sehr kleinen und schwer lesbaren Zeichen. Benutzen Sie in solchen Fällen die Vergrösserungsmöglichkeiten!
  • Die Bildschirmoberfläche soll matt sein (nicht Hochglanz!). Dies gilt nicht nur für die Textverarbeitung, sondern auch für CAD und andere professionelle Anwendungen. Matte Bildschirmoberflächen vermindern Reflexionen und Blendungen.
  • Damit Sie den Bildschirm «augenschonend» einstellen können, muss er neigbar und in der Höhe verstellbar sein. Er sollte sich bei Bedarf bis auf die Tischplatte absenken lassen. So können Sie Augen– und Nackenbeschwerden vermeiden.

Was gilt als angenehmes Büroklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftzug, Licht)?

Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit

Die Lufttemperatur bei sitzenden, vor allem geistigen Tätigkeiten (z.B. Bildschirmarbeit) beträgt idealerweise 21–23°C. Bei sitzender, leichter Handarbeit werden 20–22°C empfohlen.
Die Luftfeuchtigkeit wird als behaglich empfunden, wenn sich die relative Luftfeuchtigkeit im Bereich von 30 Prozent (im Winter bei 19–24 °C) bis 65 Prozent (im Sommerbetrieb bei 22–28 °C) befindet.
Zugluft kann das Behaglichkeitsgefühl beeinträchtigen, wenn die Windgeschwindigkeiten über 0,1 m/s beträgt.

Licht

Das Licht beeinflusst nicht nur das Sehen, sondern auch die Physiologie des Menschen (Stoffwechsel, Kreislauf, Hormonhaushalt) und die Psyche. Damit übt das Licht einen wichtigen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Motivation des Menschen aus. In den Arbeitsräumen soll Tageslicht sowie eine künstliche Beleuchtung vorhanden sein. Diese soll gewährleisten, dass die Sehverhältnisse der Art und den Anforderungen der Arbeit sowie dem Alter entsprechen.

Wie gross muss ein Büro sein?

Einzelne Büro-/ Bildschirmarbeitsplätze

In kleineren Büros mit bis zu 3 Personen soll die Mindestfläche je Arbeitsplatz 10 m2 betragen. Für kombinierte Arbeitsplätze mit Schreibtisch und Bildschirmarbeitsplatz sind mindestens 12 m2 vorzusehen.

Mehrpersonenbüros / Gruppenbüros

Für den Flächenbedarf in Gruppenbüros mit mehr als 2 Personen gilt: für die Unterbringung der ersten zwei Personen werden 18 m2 veranschlagt, für jede weitere Person sind zusätzliche 6 m2 erforderlich.

Grossraumbüros / Callcenter

Bei der Einrichtung von grossen Räumen (in der Regel ab 400 m2) beträgt die Mindestfläche pro Büro- und Bildschirmarbeitsplatz 8 m2, für kombinierte Arbeitsplätze 12 m2. In der Praxis werden eher höhere Flächenmasse empfohlen.

Leistet die Suva einen Kostenbeitrag für das Beschaffen elektrisch höhenverstellbarer Pulte oder neuer Stühle?

Die Suva ist eine Unfallversicherung und übernimmt deshalb keine Kosten für solche Massnahmen. Zuständig und verantwortlich für die Einrichtung der Arbeitsplätze ist der Arbeitgeber. Sind krankheitsbedingt besondere Ausrüstungen erforderlich, kann die betroffene Person bei ihrer Krankenkasse eine Kostenbeteiligung beantragen.

Sollte eine verunfallte Person aufgrund eines erlittenen Unfalls besondere Arbeitsmittel benötigen, welche über die gesetzlichen Vorgaben gemäss Unfallversicherungsgesetz oder Arbeitsgesetz hinausgehen, regelt die Suva solche Anschaffungen mit der zuständigen IV-Stelle.

Hilft ein Sitzball oder ein Sitzkissen bei Beschwerden?

Sitzbälle und Sitzkissen sind für Kraft- und Koordinationsübungen vorgesehen, um die untere Rückenmuskulatur sowie die Bauch- und Beckenbodenmuskeln zu trainieren. Wer immer wieder seine Position wechselt, stündlich kurz aufsteht und einige Schritte geht, bewegt den Körper genügend und braucht diese Hilfsmittel nicht.

Jedenfalls sollte man Sitzbälle und Sitzkissen nur für kurze Zeit einsetzen. Denn das Sitzen ohne Rückenstütze verlangt von der Muskulatur einen Dauereinsatz, den sie gar nicht zu leisten vermag. Die Rückenmuskulatur ermüdet, man lässt sich in die passiven Strukturen fallen und plötzlich sitzt man mit einem Rundrücken oder Hohlkreuz. Dadurch erhöht sich die Belastung des Rückens, was zu Beschwerden führen kann.

Oft versucht man mit Sitzbällen oder Sitzkissen Mängel in der Arbeitsplatzgestaltung auszugleichen. Statt die Symptome sollte man die Ursachen bekämpfen, das heisst überprüfen, ob der Arbeitsplatz richtig gestaltet ist.

 

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